Stellungnahme zum Schulstreik am 12. November


12. November 08 – Wir hatten Mut zu kämpfen!

In den Tagen zuvor wurde der Schülerstreik in Schaumburgs Schulen zu einem Topthema. Große
Klassen, wenige und oft schlechte Lehrer, Leistungsterror
und schlechte Zukunftsaussichten ließen bei vielen schon lange Ärger & Wut wachsen. Nun sollte es endlich

ein Forum geben, sich etwas Gehör zu verschaffen.
Während manche Schulen versuchten, den Schülern zu drohen und sie einzuschüchtern,
erkannten andere, dass der Streik Teil des praktischen Politik- und Sozialkundeunterrichts ist.
Sie gaben ihren Schülern die Möglichkeit „legal“ an dem Streik teilzunehmen.
Am 12. November stiegen in ganz Schaumburg 1000 Schüler in die Züge Richtung Hannover. Die

Stimmung war super- fast alle wollten auf die Straße und für ihre Rechte kämpfen. Von der
Politikverdrossenheit keine Spur!

Widerstand, nicht Protest!

Protest ist, wenn man ein Schild hochhält, auf dem steht was doof ist. Das bewirkt nur selten
etwas, denn kaum jemand beachtet sowas.

Widerstand ist, wenn man versucht direkt etwas gegen die Dinge zu unternehmen, die doof
sind. Die friedlichste Form von Widerstand ist der zivile Ungehorsam.
Diesen nutzen zum Beispiel die Menschen im Wendland seit 30 Jahren, um sich gegen
Atommülltransporte in ihre Region zu wehren. Sie machen Sitzblockaden auf Schienen oder

Straßen, Ketten sich an oder seilen sich von Bäumen ab.

Ganz ähnlich haben die Schüler aus ganz Niedersachsen am 12. November in Hannover
gehandelt. Sie wussten, dass es niemanden schert, wenn sie nur Schilder hochhalten und Reden
für sich selber halten.
Um ernst genommen zu werden haben sie eine dumme und bürgerfeindliche Regel
gebrochen- die so genannte Bannmeile am Landtag. Nur Politiker die wissen, dass sie schlechte

Arbeit leisten müssen sich durch eine Bannmeile vor ihren Bürgern schützen. Aber weil diese
„Schutzzone“ als so heilig gilt, sind die Politiker, die Angst davor haben mit wütenden Schüler
konfrontiert zu werden, jetzt stinksauer.

Sie haben unsere Sorgen und Ängste nicht geachtet

und wir ihre lächerliche Regel nicht!

Randale oder Meinungsmache?

Während die Polizei schon zu Beginn der Demonstration immer wieder Schüler bedrohte
(Zitat: „Ich bring Dich um“, zu einem 16 jährigen Schüler aus SHG), hatten wir keinen Bock auf

Eskalation. Mit dem Durchbrechen der Bannmeile wollten wir nur ein klares Zeichen setzen.
Diejenigen, die über unsere Zukunft bestimmen, können sich nicht
hinter irgendwelchen Schutzzonen verstecken.

Hören wir einmal, wie zwei Herren aus dem Landtag unsere Aktion

beurteilen:

„Der gewaltbereite schwarze Block hat die friedliche
Demonstration für die eigenen Zwecke missbraucht“
,
meinten David McAllister (CDU) und Philipp Rösler (FDP). HAZ, 13.11.08

Versuchen wir diese krude Aussage etwas genauer zu betrachten:

1. Der gewaltbereite schwarze Block
Leider konnte man diesen anscheinend nur aus dem Landtag erspähen. Tatsächlich waren

auch junge Menschen vor Ort, die sich schon vor dieser Demonstration politisch engagierten,
manche trugen auch schwarz. Es handelte sich ausschließlich um Schüler, Studenten und
Auszubildende- nicht um „Berufsdemonstranten“. Gewaltbereit? Der einzige Vorfall, der nur
grob in diese Richtung ging, war eine zu Bruch gegangene Scheibe am Hintereingang des

Landtags- eine Sachbeschädigung. Ansonsten ging Gewalt nur von der überforderten Polizei
aus. Diese versuchte die Schüler mit Schlagstöcken am Betreten der Bannmeile zu hindern.
Später wurde auch Pfefferspray in Menschenmengen gesprüht.


2. …die friedliche Demonstration für ihre eigenen Zwecke missbraucht .

Richtig ist zunächst- die Demo war friedlich! Die Aktion war für die Interessen der Schüler
und Studenten- egal welche Farbe ihre Kleidung hatte. Nun einmal zum „Missbrauch“: Wenn

Jugendliche tun, was Erwachsenen gefällt, spricht man von „guter Erziehung“. Tun sie, was
sie selbst für richtig halten, spricht man schnell von „Missbrauch“, „Gruppenzwang“ &
Gehirnwäsche“. Auch mit 14 Jahren können Menschen selber denken, handeln und für

ihre Überzeugungen eintreten. So entschied sich auch ein Teil der Demo gegen, ein anderer
(ca. 1500 Menschen) für die Teilnahme an der Aktion. Die beteiligten Schüler waren keine
Opfer
, sondern Menschen mit eigenem politischen Bewusstsein.

„Alle abräumen, wie ein Christdemokrat meint. Geht nicht, sind doch Schüler. Scheiße,
hört man einen Mann aus dem Innenministerium sagen“.
Landeszeitung, 13.11.08

Zusammen sind wir stark!

Wir hatten und haben das Recht, uns gegen unerträgliche Zustände zu wehren- auch mit zivilen

Ungehorsam! Es geht schließlich um unsere gemeinsame Zukunft. Die Polizei dagegen hat
kein Recht uns dabei zu bedrohen, zu beschimpfen oder gar zu verletzen!
Darum wollen wir uns zusammen mit allen Schaumburger Schülern gegen diese Übergriffe

wehren. Uns liegen bereits erste Fotos, Filmaufnahmen und Berichte von Teilnehmern vor. Doch
das ist nur ein Anfang!
Habt ihr Übergriffe der Polizei beobachtet? Wurdet ihr sogar selber geschubst, geschlagen
oder mit Pfefferspray angegriffen?
Habt ihr Fotos oder Videos? Dann meldet euch bei uns! Wir
sammeln alles (natürlich vertraulich) und wehren uns gemeinsam gegen diesen Angriff auf uns
alle. Schreibt kurze Gedächtnisprotokolle der Vorfälle in Hannover und schickt sie uns.

Kontakt:schulrebellen-shg@web.de

Schaumburger Schulrebellen – Schüler gegen Polizeigewalt

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  • Pressemitteilung der [AAH]




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